Hotel Alt Deutz_Köln

In Köln haben mich Hotels nur in einer kurzen Phase interessiert und beschäftigt: 1977 – 1981 hatte ich als Autogrammjäger vor Heimspielen des FC immer herauszufinden, wo das gegnerische Team übernachtete. Der FC war anfangs rechtsrheinisch im damals ganz neuen, modernen, aber kleinen Hotel Tannenhof, dann im Waldhotel Mangold im Milchborntal. Die Gegner nächtigten freitags im schön im Stadtwald gelegenen „Crest Hotel“ (später rebranded als „Esso Hotel“, heute: „Leonardo Royal Hotel“) oder im „Hotel Regent“ – immer linksrheinisch. Es war für mich 14jährigen eine echte Herausforderung, per Telefonanruf herauszufinden, in welchem Hotel die Borussen, der HSV oder der VFB sein Quartier genommen hatte.

Köln entstand als römische Gründung 50 n.Chr. linksrheinisch. Auf der anderen Rheinseite war Germanenland. Also ein Gebiet der Barbaren. Nur Werder Bremen mit Dieter Burdenski und die Bayern mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller haben sich in meiner Zeit rechtsrheinisch auf ihr Spiel gegen den FC vorbereitet.

Ich war 14 und Köln spielte eine sensationelle Saison, wurde erstmals seit einem Dutzend Jahren wieder Meister und es war wohl das Heimspiel gegen die Bayern, das mich auf die Idee brachte, dass die ja irgendwo übernachten: Im heutigen Novum Hotel Silence Garden in Brück, nicht weit von uns (heute kaum wieder zu erkennen). Erst danach fand ich heraus, dass auch die Kölner keineswegs die letzte Nacht zu Hause schliefen, sondern in ein Quartier in der Nachbarschaft gingen – und zwar ausgerechnet in Bensberg neben dem Sportplatz im Milchborntal, an dem ich Mitglied im Leichtathletikverein war:  In den Jahren 1976 – 1981 war das „Mangold“ Mannschaftshotel des FC.

Der damalige Trainer Hennes Weisweiler nutze die Ruhe, um seine Mannschaft auf die Heimspiele vorzubereiten, was ein Detail war, das dem FC zu seinem bis dato letzten Titelgewinn 1978 verhalf. Unzählige Male habe ich Herbert Neumann, Harald Konopka oder Heinz Simmet, später auch Bernd Schuster Paninibilder und Poster zum unterzeichnen hingehalten. Nur Heinz Flohe und Toni Schumacher waren sehr schwierige Fälle, die an dem Dutzend Jungs vor der Tür meist kommentarlos vorbeirauschten. Das Haus, das als Ausflugslokal begann und Ende der 1960er-Jahre zum Hotel wurde, existiert übrigens noch, mit dem Zusatz „Romantik“ vor dem Namen. Wo der FC und seine Gegner heute übernachtet, weiß ich seit 37 Jahren nicht mehr.

Beide nächtigten natürlich meist in Viersternehäusern – die Spieler hatten gleichwohl selten ein Einzelzimmer. Es musste drumherum grün genug sein für einen morgendlichen Ausdauerlauf und zudem ausreichend entfernt von Störungen, Versuchungen und Ablenkungen wie Kneipen, Frauen oder Fans. Dadurch und weil ich natürlich – so nahe des Elternhauses – mit zwei Ausnahmen nie selber in Köln ein Hotel suchte, kam es, dass ich nur die edlen, aber nicht unbedingt authentischen Hotels meiner Heimatstadt kenne.

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

So war es am zweiten Weihnachtsfeiertag plötzlich elektrisierend, nach einem Krankenhausbesuch in Deutz ein solches altes Hotel zu finden. Jedenfalls wirkte dessen Leuchtreklame wunderbar wie aus den 1950er-Jahren. Deutz oder Kalk, die Vororte, die bis in die 1990er-Jahre noch stark von Industrie und Arbeitern geprägt wurden, waren trotz der Messe kein Hotelstandort für Touristen oder Geschäftsreisende mit einem gewissen Anspruch. Die suchten sich etwas, das neben der Autobahn, mitten drin in Domnähe, linksrheinisch an einem Park oder eben rechtsrheinische den entscheidenden Tick weiter draußen im Grünen liegt. Die banale Erkenntnis: Hier gibt es tatsächlich und – ja klar, natürlich – echte Hotels für Einzelreisende: klein, preiswert, oftmals als Familienbetrieb laufend und vor allem mit Geschichte!

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

 

Hier hatte ich jetzt also ein Beispiel gefunden. Das Haus nennt sich jetzt „Hotel Alt Deutz City Messe-Arena“. Und ist – in Anpassung an eine neue Klientel von Besuchern der Köln-Arena wie auch der Messe, innen wohl völlig verändert worden. Aber die Leuchtreklame sprach meine nostalgische Ader sofort an, zumal ich sie zufällig wunderbar gelb aus einer Seitenstraße strahlen sah. Nach dem Krankenhausbesuch war das genau, was ich als Ablenkung brauchte. Ich schaute nur hinein und sah, dass man eine moderne Rezeption eingebaut hatte. Aber war dankbar, dass man der Versuchung widerstanden hatte, das äußere Erscheinungsbild unpassend anzupassen.

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

Es war das verschnörkelte der alten Leuchtreklame aus per Hand gebogenen Glasröhren und der Name des Ortes selbst, der ein alt verschüttetes Heimatgefühl weckte: In Deutz besuchte ich kurz die 2. Klasse, ehe wir nach Merheim umgezogen wurden. Im Deutz-Kalker Bad habe ich aber auch Schwimmen gelernt. Und bin viele hundert Male unterirdisch hier vorbei gefahren. Es ist wichtig, an manchen Kindheitsstationen noch einmal auszusteigen.

Adresse: Graf-Geßler-Str. 13-15 & Deutzer Freiheit 99, 50679 Köln-Deutz, Tel.: +49 221-801 93 990, info@hotelaltdeutz.eu, Homepage

Hotel Alt Deutz_Köln © Ekkehart Schmidt

This entry was posted in Deutsch. Bookmark the permalink.

Comments are closed.