Hotel de Nantes_Paris

Ich würde ja gerne einen netten Blog zu diesem Hotel schreiben, hätte ich nicht nach der Nacht dort einen üblen Nachmittag erlebt, an dem mich die Bisse von Bettwanzen oder Flöhen noch lange später stundenlang gequält haben. Das Haus entsprach eigentlich während der ganzen Dauer meines Aufenthaltes genau meinem Traum eines authentischen alten Hotels rund um Montmartre, mit langer Geschichte und einem wunderbar unter dem Dach gelegenen Zimmer für diese Nacht Mitte Mai, auf die ich mich schon tagelang gefreut hatte.

Eben keine klassische „billige Absteige“ – solcher Art gibt es, noch unterhalb dieses Preisniveaus von rund 45 Euro, einige, auch nahebei und seit einem Jahrhundert und länger. Dies hier war eben genau die eine akzeptable Stufe drüber, die ich mir bewusst gewünscht habe, obwohl mein Reisebudget auch einen Stern mehr erlaubt hätte. Im Nachhinein habe ich mich aber versöhnt und darf versuchen, den damaligen Gefühls- und Farbenrausch zu beschreiben.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Ich werde also doch einen netten Blog schreiben, schließlich habe ich mich während meines Aufenthaltes Mitte Mai wohl gefühlt und nur Pech mit den Untermietern von Zimmer 39 gehabt: Oben unter dem Dach (auf dem Foto oben der bleiummantelte Erker rechterhand). Unten an der Ecke der Avenue de Clichy hatte ich mir bei der Ankunft abends linkerhand schon mein Frühstückslokal „Aux Rigolos“ ausgeguckt und war in beschwingter Vorfreude rüber gegangen.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Das aktuell im Besitz der arabischstämmigen Brüder Djouahar befindliche Haus wurde im Moment mit einem Gerüst versehen, damit eine (äußerliche) Sanierung vollzogen wird. Innen wird alles bleiben, wie ich es erlebte: Das klassische einfache Pariser Hotel. Ohne Lobby, nur mit Kabine für die Rezeption, einer Ecke mit Kaffee-Automaten und dann aber eines jener phantastischer Treppenhäuser, für die alleine das Haus schon einen Besuch wert ist.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Mein Zimmer war eines von fünf Zimmern, die im 6. Stock von einem kleinen Flur zugängig waren. Mit Toilette außerhalb, aber ohne Gemeinschaftsdusche.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

7 Quadratmeter. Ganz egal: Mein Zimmer wirkte nach langer Anreise und Fußmarsch von der Place Clichy mit dem Erlebnis der „Divette de Clichy“ wie ein Refugium in einem Märchenturm. Jedenfalls fühlte ich mich so: Yeah, mein Bett in Paris! Mal wieder. Alle Jahre wieder habe ich die Möglichkeit, hier beruflich vorbei zu kommen, seit 2015 leider nicht mehr mehrmals pro Jahr. Ich brauche nur eine schöne Caféstunde und ein Hotel wie dieses, dann ist es, als würde ich in den Erinnerungen von fast 40 Jahren Paris leben. Ich muss nicht an bestimmten Ecken und Orten vorbei kommen. Sie sind dann alle präsent. Ein schönes Freiheitsgefühl auch, durch eine solche Veränderung des Lebenskontextes.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Das Viertel ist dabei eher untypisch für Paris, jedenfalls schaute ich auf einen, die Nachbarschaft dominierenden, Wohnblock aus der vorletzten Jahrhundertwende, während das Hotel sehr typisch für das Jahrhundert davor wirkte, inklusive des Daches.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Drinnen faszinierten die – je nach Tageszeit – von Weiß über Rosa bis Blau changierende Farben der Wände, mit den später applizierten Verbindungen für Strom- und sonstige Leitungen, einem „Scheinfenster“, das mich an pharaonische Grabanlagen denken ließ, sowie einer mehrmals frisch gestrichenen Heizung.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

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Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Heute sieht man das nur noch selten. Meistens sind Hotelzimmer farblich einheitlich gestaltet, ohne durch punktuelle Sanierungsmaßnahmen entstandene farbliche Brüche.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Nach einem ersten kurzen Aufenthalt bin ich gegen 21 Uhr noch einmal raus, entdeckte die traurig-pragmatische „Kaffeestube“ im Erdgeschoss und ging im äthiopischen Restaurant Menelik sehr gut essen.

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

Ich hoffe Leser*innen dieses Textes, trotz des von mir erlebten unschönen Nachklangs, inspiriert zu haben, in Paris auch solche Hotels auszuprobieren, statt sich mit den konformen Filialen von Ketten wie Accor, Best Western oder Ibis zufrieden zu geben, in denen man eben emotional und farblich nicht wirklich in Paris ist.

Adresse: 3 rue Boulay, 75017 Paris, Tel.: +33 1 46 27 51 93

Hotel de Nantes_Paris © Ekkehart Schmidt

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