Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg

Sie sind eine luxemburgische Spezialität: ein unsichtbares Massenphänomen am Rande der Legalität, aber auch eine pragmatische Lösung für das Wohnungsproblem von allein lebenden Kleinverdienern in dieser Stadt der extrem hohen Mieten. Die Behörden sehen das aber anders. Zum Teil zu Recht. Die Rede ist von so genannten Cafézimmern, also Zimmern über Kneipen, die zum Teil zu horrenden Preisen (meist 400 – 800, teilweise über 900 Euro) und oft an mehrere Personen vermietet werden, die keine andere Wahl haben – meist Migranten, häufig aus Portugal, die auf dem Bau oder in der Gastronomie tätig sind.

Das Phänomen existiert seit Jahrzehnten. Manche leben hier als erste Anlaufstelle, ehe sie etwas anderes finden. Andere bleiben nach einer Krise – etwa einer Scheidung – hier hängen und geben fast ihr ganzes Einkommen für Miete und Alkoholika aus – wofür sie nur die Treppe runter gehen müssen, wo sie dann vor einem Tresen stehen. Schnell werden aus ein paar Wochen mehrere Monate.

Der zweifelhafte Ruf kommt daher, dass diese Zimmer oft diese Art Sackgasse bilden, aus denen man mangels Ersparnissen selten ohne Hilfe anderer herauskommt. Oft ist es ein Teufelskreis, heißt es in einer Reportage des Luxemburger Wort vom Oktober. Dort werden auch Zahlen für Luxemburg-Stadt genannt: Seit 2010 wurden 105 Gebäude mit insgesamt rund 400 Zimmern überprüft, von denen nur 100 in einem akzeptablen Zustand waren, das heißt pro Person neun Quadratmeter und ein Fenster aufweisend, mit Waschberiech und einem Klo und einer dushe pro sechs Personen.

Mein Zugang zu dem Thema ergab sich durch die Suche nach preiswerten Übernachtungsmögichkeiten nach beruflichen Abendterminen in der Stadt. Mit der Jugendherberge und später der Auberge de Reims und dem Hotel Bella Napoli habe ich ordentliche Orte gefunden. Ich kann mich aber noch genau erinnern, vor etwa fünf Jahren einmal im Hotel du Globe nachgefragt zu haben, ob sie noch ein freies Zimmer haben: Ich wurde fast ausgelacht, so absurd erschien der alten Dame hinter dem Tresen meine Frage. Nein, hier war nichts frei (also alles auf Wochen und Monate belegt).

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Das so genannte Hotel habe ich jahrelang nur von außen betrachtet, also von meinen wechselnden Zimmern in der Auberge. Neugierig, fast auch voyeuristisch.

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Bis ich dann einmal auch tagsüber unten in’s Café gegangen bin.

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Mein Eindruck: Hier findet sich ein Überbleibsel einer Milieu-Welt, die immer mehr aus dem Viertel verdrängt wird.

Verwendete Quelle: Clemente, Rosa: Ein Leben über der Kneipe, Luxemburger Wort, 23. 10.2018

Cafészëmmer im Hotel du Globe_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

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