Belle Hotel_Ouagadougou

Ich verstand erst in der zweiten Nacht, warum es hier zwei Haupteingänge gab: der vordere wurde fast ausschließlich tagsüber  genutzt, der hintere nachts. Und das nicht nur, weil hinten der Parkplatz war. Nach einer weiteren Nacht verstand ich auch, dass die Gäste oben mehrer Tage blieben, die unten nur ein paar Stunden. Und dass die Preise oben bei 10.000 Franc CFA lagen (14 Euro), unten aber bei 5.000. Ob ich das – nichtsahnend – so schnell alleine kapiert hätte?

Nadège, meine Gastgeberin während einer Woche im Vorort Tampoui, hatte mich jedenfalls nachts gegen 4 Uhr, vom Flughafen per Moto kommend, intuitiv durch den Vordereingang hineingefahren (das konnte man tatsächlich beidseitig). Obwohl der Weg zum Hintereingang kürzer gewesen wäre (holprig und voller Schlaglöcher waren beide gleichermaßen). Dann fuhr sie nach Hause und ich erlebte später einen ersten Mittag in Burkina Faso, ehe sie mich abholte.

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Mein Zimmer lag im zweiten Stock, abends konnte ich

Es gab hier sonst, außerhalb der Innenstadt, kein Hotel. Nur eine „Auberge“ zweifelhafter Qualität am Ende der Straße. Man hätte höchstens eine „Villa“ mieten können. Aber es war alles gut: das Bett, die Dusche, ein Ventilator, die Sauberkeit und Ruhe, das nötigste am Getränke- und Speisenangebot, wenn auch nicht alles von der Karte erhältlich war (Bier und Wasser, aber kein Wein). Ich war gespant auf den Morgen und schlief bis mittags. Dann die unangenehme Überraschung: es gab kein Frühstück. Aber so musste ich erstmals alleine raus in die Stadt, habe das erste von mehreren Cafés am Vordereingang ausprobiert, mich an Omelett im Baguette mit Nescafé gewöhnt und abends Fritten mit Omelette gegessen, wenn wir nicht in der Grand Cafeteria Fil d’or waren. Mittags aßen wir meist im Restaurant Savane Plus.

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Nach meinem ersten Frühstück bin ich zurück ins Hotel, wo linkerhand die Rezeption liegt, rechterhand die Küche. Ich trank im Eingangsbereich, der als Lobby fungierte, einen Nescafé und bin dann hoch, zurück ins Zimmer. Erste Eindrücke sammelnd.

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Aber nochmal von vorne: Das Hotel ist einer von mehreren grösseren Bauten, die sich zwischen einer uralten, überwucherten und von Schafen begrasten Eisenbahnlinie und einer mittelgroßen Straße aneinander reihen und im dörflichen Kontext der Umgebung völlig aus dem Rahmen fallen: ein Busdepot, eine Industriefirma, eine Goldschmelzerei, eine Schule und ein Hinterhof voller Schrottautos, zwischen denen Ziegen lebten (mein Blick aus dem Fenster).

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich war dennoch mit meinem Zimmer sehr zufrieden. Das Bett sauber und groß, die Dusche schnell warm. Zum Zähneputzen brauchte ich natürlich Plastikflaschenwasser, das mir Nadège noch in der ersten Nacht besorgte. Mein Moskitonetz konnte ich nicht ordentlich anbringen, proberte es zweimal aus und ließ es dann sein, obwohl es ab und an Mücken gab. Am ersten Abend besorgten wir Mückenspray. Die erste Nacht war ich in Zimmer 213, doch nachdem sich am nächsten Tag der Schlüssel nicht schließen ließ und ein Angestellter beim Versuch das zu regeln, diesen abbrach, wechselte ich in Zimmer 211 nebenan. Der Vorteil: schönere Bettbezüge.

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel Ouagadougou (c) Ekkehart Schmidt

Kalkbreite 10 CH - 8003 Zürich

Mein Zimmer lag im zweiten Stock, abends konnte ich

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Raus nochmal am frühen Nachmittag, in aller Ruhe gucken, wo ich hier eigentlich bin und wie das Hotel aufgebaut ist und funktioniert: Blick nach links, Blick nach rechts. Aber erst abends habe ich beim genaueren Beobachten der Szenerie unten kapiert, was den ersten vom zweiten Stock unterscheidet.

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Mein Zimmer lag im zweiten Stock, abends konnte ich

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Das Hotel besteht seit etwa 2-4 Jahren. Mein Zimmer lag im zweiten Stock, morgens und abends konnte ich auf der Galerie vor der Tür in Ruhe eine rauchen und ein wenig das Treiben unten beobachten. Morgens fuhr am Hintereingang schon ‚mal ein Zug vorbei, auf einer dieser eigentlich völlig ungenutzten Strecken. Abends kamen von hier die Motorräder und Autos von Männern, die dort hinten, etwas weiter entfernt, eine Frau aufgegabelt hatten. Neben dem Rezeptionisten und dem Koch gibt es zwei Putzteams: morgends ein weibliches, abends ein männliches, von jeweils etwa drei Leuten. Die Männer empfangen abends die von hinten kommenden Päarchen – Mann mit Prostituierter oder Mann mit Geliebter -, diese setzen sich oft erst kurz auf eine der Doppelbänke, dann betreten sie ein zugewiesenes Zimmer. Ein Putzmann kommt kurz drauf an die Tür, es werden die 5.000 Franc CFA bezahlt, manchmal auch Wechselgeld geholt. Nach einer Stunde oder mehr wird geduscht. Die Lokalität wird dann ohne Abschied verlassen, woraufhin der Putzmann nun als solcher kommt und drinnen sauber macht. Wenn vor der Tür weder Eimer, noch Putzbesen stehen, ist der Raum wieder freigegeben.

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Kalkbreite 10 CH - 8003 Zürich

Abends regten mich – nach dem Beobachten des Kommens und Gehens der Päarchen unten – die aufgeklebten Papiertapetenstreifen in meinem Zimmer zu Fotografierexperimenten an. Das Kommen und Gehen wollte ich nicht dokumentieren. Es hatte nichts schmutziges, war eher fast rührend, ohne dass ich mit einer solchen aussage die Problematik der Prostitution schön reden möchte.

Belle Hotel_Ouagadougou (c) ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Und natürlich war das Bad mit der Plastikgiesskanne für die Toilette ein schönes Motiv, denn – wie gesagt – es war das, was für mich von Bedeutung war:

Kalkbreite 10 CH - 8003 Zürich

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Kalkbreite 10 CH - 8003 Zürich

Zwei Eingänge, zwei Etagen, zwei Welten – ich kann das Hotel dennoch unbedingt empfehlen. Es gibt keine Homepage, nur einen Flyer, der drei Varianten benennt: „Chambres climatisées“ für 15.000, „Chambres ventillées“ für 10.000 und  die Variante „Repos“ für zwei Stunden à 5.000 Franc CFA.

Auf dem Flyer hat das Hotel den Untertitel „La joie de vivre“ und man wird beruhigt: „Ne vous faite pas de soucis, nous disposons de l’électricité et de l’eau en permanence„. Das stimmt. Zwei mal in 7 Tagen fiel im Viertel der Strom aus, jedes Mal sprang gleich der Generator an.

Adresse: Sise à Tampouy côte nord de l’immeuble Kafando à Tampouy, Ouagadougou, Tel.: +226 25 35 04 04

Belle Hotel_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

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